20 Jahre Bundesamt für Strahlenschutz - 20 Jahre Atommülldesaster

05.06.2009 | Frankfurt am Main
Anlässlich des 20jährigen Bestehens des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) werden morgen ROBIN WOOD-AktivistInnen gemeinsam mit weiteren AtomkraftgegnerInnen vor dem Amt in Salzgitter demonstrieren und Antworten auf drängende Fragen zur katastrophalen Situation bei der Atommüll-Lagerung einfordern.

Während die Atommülllager Asse II und Morsleben einsturzgefährdet sind und dort unkontrolliert Wasser eindringt, wurde nun auch noch bekannt, dass während der Erkundung des Salzstocks in Gorleben illegal mit Maßnahmen zum Ausbau eines Endlagers begonnen worden ist. AtomkraftgegnerInnen rufen deshalb zu einer Protestaktion ab 9:30 Uhr vor dem Bundesamt in Salzgitter-Lebenstedt auf.

"Die Bilanz von 20 Jahren Bundesamt für Strahlenschutz ist eine Bilanz des Scheiterns. Die bestehenden Atommülllager in Morsleben und Asse II sind angesichts der Einsturzgefahr und der unkontrollierten Wassereinbrüche eine Gefahr für Mensch und Umwelt. Nie war das Vertrauen in offizielle Äußerungen zur Atommüll-Lagerung in Deutschland geringer als heute", sagt Thomas Erbe von ROBIN WOOD Braunschweig. "Fast täglich kommen neue Informationen ans Licht der Öffentlichkeit, die alle eins zeigen: Es geht bei den Endlagerprojekten vor allem darum, schnell und billig den Atommüll beiseite zu schaffen. Die Sicherheit der Bevölkerung ist da nicht so wichtig."

Erfahrungen an den verschiedenen, vom BfS betriebenen Lagerstätten für Atommüll belegen, wie unzuverlässig die Verantwortlichen mit dem gefährlichen Strahlenmüll umgehen.

Standort Gorleben: Offiziell heißt es seit Jahrzehnten, der Standort in Gorleben werde nur erkundet. Vergangene Woche wurde nun bekannt, dass parallel zur Erkundung bereits mit dem Ausbau des Endlagers begonnen wurde. Nur deshalb sind die bisherigen Kosten in Gorleben derart hoch. BfS-Präsident Wolfram König bezifferte die Kosten für die Erkundung eines nuklearen Endlagers auf 400 bis 500 Millionen Euro. In Gorleben sind aber bislang 1,5 Milliarden Euro versenkt worden. Rund eine Milliarde Euro sind offenbar ohne Genehmigungsverfahren bereits "schwarz" in den Ausbau des Endlagers investiert worden.

Standort Asse II: Das marode Atommülllager bei Wolfenbüttel wurde jahrzehntelang ohne atomrechtliche Genehmigung betrieben. Tatsächlich wurde dort die Endlagerung - anders als offiziell behauptet - nicht erforscht, sondern praktiziert. Die Energiekonzerne ließen in großem Stil unkontrolliert Atommüll in das Bergwerk kippen. Jetzt wurde bekannt, dass die Aufsichtsbehörden in den siebziger Jahren - auf Druck der Atomkonzerne - die Sicherheitsstandards für die Atommüll-Lagerung erheblich gesenkt hatten. Wieder einmal hieß die Devise: schnell und billig, statt sicher.

Standort Morsleben: Angela Merkel ordnete in ihrer Zeit als Bundesumweltministerin die Einlagerung von Atommüll in Morsleben in Sachsen-Anhalt an, obwohl Wissenschaftler vor einer radioaktiven Verseuchung der regionalen Wasserwerke gewarnt hatten. Die Öffentlichkeit wurde über diese Gefahren nur unzureichend informiert. Heute ist Kanzlerin Merkel eine Vorkämpferin für Gorleben als Endlager-Standort.

"Die Endlagerung von Atomabfällen ist komplett gescheitert. Bundesregierung und Atombetreiber müssen das endlich eingestehen und dafür sorgen, dass nicht noch mehr Atommüll entsteht. Die AKWs müssen sofort vom Netz. Gorleben muss wegen bestehender Sicherheitsdefizite von der Liste möglicher Endlagerstandorte gestrichen werden. Die Suche nach einer sicheren Lagerung von Atommüll muss neu beginnen", fordert Thomas Erbe.

Quelle: Pressemeldung "ROBIN WOOD - Gewaltfreie Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt e.V.

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