Die supereffiziente Klimaanlage
Einer der drei Finalisten im Kampf um den Titel des "Good Entrepreneur ist Artica-Mitbegründer Mathew Holloway. Artica hat eine neue Kühltechnologie für Klimaanlagen entwickelt, die bis zu 90 Prozent weniger Strom als herkömmliche Klimaanlagen benötigt. Damit setzte sich das britische Start-up-Unternehmen unter mehr als 100 Bewerbern durch und schaffte den Sprung ins Finale. Der Gewinner des Wettbewerbs erhält ein Preispaket im Wert von mehr als 250.000 Euro, zu dem finanzielle Unterstützung, Werbung auf CNBC und umfassender Business-Support von der Allianz gehören. Holloway erklärt im Interview die technische und wirtschaftliche Seite seiner Energiespar-Idee.
Bei Ihrem Projekt geht es um das effizientere Klimatisieren von Gebäuden. Wie funktioniert das?
Articas Methode ist eine natürliche Kühlung und Belüftung, die nur zehn Prozent der Energie einer konventionellen Klimaanlage benötigt. Das Herzstück ist eine "Wärmebatterie". Genau wie eine elektrische Batterie Strom speichert, speichert eine "Wärmebatterie" thermische Energie.
In Europa beträgt der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht 10 bis 15 Grad Celsius. Nachts saugt die Anlage die kühle Außenluft an, um das Material in der Wärmebatterie zum Gefrieren zu bringen. Tagsüber wird die warme Luft über das gefrorene Material geleitet, um sie abzukühlen.
Im Winter kann dies in umgekehrter Richtung funktionieren. Die Anlage entzieht dem Gebäude die warme, stickige Luft und tauscht sie gegen frische, kühle Luft aus, die in das Gebäude strömt. Das ist der entscheidende Unterschied zur herkömmlichen Klimatisierung, bei der es keine Frischluftzufuhr gibt. Auch die Produktivität wird gesteigert, denn wer in einem warmen, stickigen Büro ohne Frischluft sitzt, wird schnell müde.
Viele Klimaanlagen enthalten potenzielle Schadstoffe. Woraus besteht Ihre Wärmebatterie?
Die Wärmebatterie enthält hauptsächlich Wasser und einige Natursalze. Wir können sogar Abfallprodukte anderer Industriezweige nutzen und sie umfunktionieren. In der Anlage befindet sich nichts Schlimmes. Es ist eine Art intelligentes Eis, das sich bei Raumtemperatur von fest zu flüssig verwandelt. Und je wärmer es wird, desto besser arbeitet es.
Im Unterschied zu klassischen Klimaanlagen enthält es keine Kühlmittel. Diese Gase schaden oft der Ozonschicht, sie sind starke Treibhausgase oder für Menschen giftig. H-FKWs (teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe) beispielsweise können als Treibhausgase 10.000 Mal stärker sein als CO2. Außerdem sind H-FKWs ebenfalls giftig.
Was würde Ihre Anlage alles bewirken?
Erstens sind die Betriebskosten niedrig. Die Anlage senkt die Stromkosten um bis zu 90 Prozent. Aber auch die Wartungskosten sind geringer, weil die Technik einfacher ist. Außerdem funktioniert sie mit bereits installierten Anlagen. Mit "Plug and play" lässt sie sich an eine existierende Belüftungsanlage anschließen. Und sie kann genutzt werden, um eine existierende Klimaanlage leistungsfähiger zu machen.
Es gibt natürlich auch praktische Gründe. Gerade bei alten und denkmalgeschützten Gebäuden ist es nicht immer möglich, die Außeninstallationen für eine konventionelle Klimaanlage anzubringen - wegen baulicher Probleme oder aus Platzgründen. Wir brauchen draußen keinerlei Geräte.
Und schließlich spielt auch die Umwelt eine Rolle. Es sind viele Kunden auf uns zugekommen, die keine konventionelle Klimaanlage mehr wollen, da sie ihren CO2-Fußabdruck verbessern wollen. Außerdem ist bei uns Kondensierung - und damit Feuchtigkeit und Bakterienwachstum, was zum Beispiel zur Legionärskrankheit führen kann - kein Thema. Wir filtern Partikel und Schadstoffe aus der Luft, um ein frisches und gesundes Raumklima zu schaffen.
Das klingt beeindruckend. Welches sind die Nachteile?
Wir konzentrieren uns zunächst auf Nordeuropa und Nordamerika, weil es dort riesige Märkte und das perfekte Klima für unsere Anlage gibt. Aber für tropische Regionen ist das Produkt in seiner ursprünglichen Form nicht geeignet, da der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht relativ gering ist.
Wenn man unsere Anlage mit einer konventionellen Klimaanlage kombiniert - soweit dies möglich ist - lässt sich die Bandbreite der Anwendung erweitern und man spart immer noch enorm viel Energie.
Im Mittleren Osten beispielsweise gibt es zwischen Tag und Nacht oft einen Temperatursturz von 20 bis 25 Grad Celsius, den man nutzen kann. Wenn man bei solchen Temperaturen eine Klimaanlage betreiben wollte, wäre das sehr teuer. Aber wenn man unsere Anlage und eine konventionelle Klimaanlage kombiniert, erreicht man den gleichen Kühleffekt bei wesentlich weniger Stromverbrauch.
Sie wollen mitten in der Wirtschaftskrise ein neues Unternehmen aufbauen. Wie stehen ihre Erfolgschancen?
Bis zu einem gewissen Grad spielt uns die Wirtschaftskrise in die Hände: Die Leute versuchen Geld zu sparen, wo immer sie können. Artica ermöglicht es ihnen, eine ökologische und nachhaltige Anlage zu installieren, die ihre Kosten reduziert.
Und wenn Sie die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt haben, kommt es nicht unbedingt darauf an. Mir hat jemand erzählt, dass die Kunst während der Rezession floriert, weil weniger Geld im Umlauf ist. Das Gleiche gilt für Ideen. Wenn weniger Geld zur Verfügung steht, müssen Sie sich mehr einfallen lassen.
Sie beteiligen sich am Wettbewerb für ökologische Unternehmen. Was bringt Ihnen das?
Da unsere Firma noch am Anfang steht, versuchen wir alles, um in der Branche und von den Kunden beachtet und anerkannt zu werden. Die Bekanntheit, die wir durch den Wettbewerb erlangen, hilft uns sehr. Allein die Tatsache, dass wir es unter die letzten drei geschafft haben, ist schon großartig. Es hilft uns außerdem dabei, ein Netzwerk aufzubauen und Ratschläge von erfolgreichen Unternehmern und Förderern zu bekommen.
Wo sehen Sie Ihr Projekt in zwei Jahren?
Wir müssen mit unseren Produkten die Gewinnschwelle erreichen und unabhängig werden. Wir wollen die Anlage noch dieses Jahr auf den Markt bringen und uns in den nächsten zwölf Monaten in den Schlüsselmärkten etablieren. In ein oder zwei Jahren werden wir so weit sein, dass wir sowohl in Großbritannien als auch in Übersee einen größeren Markt erreichen können. Da in Großbritannien allein 45 Prozent der Energie in Gebäuden verbraucht wird, hat unser Projekt eine reelle und unmittelbare Chance, ganz groß herauszukommen.
Quelle: Pressemeldung Allianz
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