Greenpeace-Kletterer protestieren gegen Kohlekraftwerk Moorburg

08.09.2008 | Berlin
Hamburger Umweltbehörde soll bis Mittwoch entscheiden

Aus Protest gegen den Bau des umstrittenen Kohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg erkletterten 30 Greenpeace-Aktivisten heute in der frühen Morgendämmerung den Rohbau eines Versorgungsschachtes auf der Baustelle. An den achtzig Meter hohen Turm schreiben sie in drei mal drei Meter großen Buchstaben Stopp Moorburg. Greenpeace fordert vom Energiekonzern Vattenfall, den Bau des Klimakillers sofort zu stoppen, und erwartet von Umweltsenatorin Anja Hajduk (GAL), die Genehmigung nicht zu erteilen. Die Umweltbehörde wird voraussichtlich bis Mittwoch über den Antrag des Stromanbieters zur Errichtung des Kraftwerks endgültig entscheiden.

Klimaschutz ist für Vattenfall ein Fremdwort. Dieses klimazerstörende Megakraftwerk darf in Hamburg niemals in Betrieb gehen, fordert Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. Die Umweltbehörde hat alles Recht auf ihrer Seite, dieses Wahnsinnsprojekt zu verhindern“ Die Hansestadt Hamburg hat jetzt die Chance, ihren Ermessensspielraum zu nutzen und die wasserrechtliche Genehmigung zu untersagen.

Die Hamburger Entscheidung wird nicht nur zum Test für die Glaubwürdigkeit der Grünen. Ein endgültiges Aus für Moorburg kann auch zum Signal für eine klimafreundliche Energiewende in ganz Deutschland werden. Wer sich wie die Grünen Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben hat, kann den Bau dieser Kohlendioxidschleuder nicht genehmigen, sagt Smid.

Der Kohlendioxid-Ausstoß des geplanten Kraftwerks liegt bei über 8,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Das ist so viel, wie der südamerikanische Staat Bolivien insgesamt ausstößt. Statt Gas wird der mehr als doppelt so klimaschädliche Energieträger Kohle eingesetzt. Zudem ist das Kraftwerk so überdimensioniert, dass nur ein kleiner Teil der Abwärme genutzt werden kann, die bei der Energieerzeugung anfällt. Unter dem Strich verpufft fast die Hälfte der eingesetzten Energie ungenutzt und heizt die Süderelbe auf.

Vattenfalls Kraftwerksprojekt ist ein Symbol für das Politikversagen beim Klimaschutz und für die Industriehörigkeit in Berlin, erklärt Smid. Wer sich wie Bundeskanzlerin Angela Merkel von Vattenfall-Chef Josefsson beraten lässt, verliert den Klimaschutz sehr schnell aus den Augen. Lars Göran Josefsson ist der persönliche Klimaberater der Kanzlerin und hat exklusiven Zugang zu ihr. Seit neuestem tritt Merkel zunehmend aggressiver für den Energieträger Kohle ein. Das steht in krassem Widerspruch zu den Klimaschutzzielen der Bundesregierung, die Treibhausgase bis 2020 um 40 Prozent unter den Ausstoß von 1990 zu drücken. Denn der immense Neubau von Kohlekraftwerken, wie er zur Zeit geplant ist, macht alle Klimaschutzbemühungen beim Autofahren, Heizen oder beim Gebrauch von Elektrogeräten völlig zunichte.

Quelle: Pressemeldung Greenpeace e. V.

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