HypoVereinsbank stellt zwei Studien zur Zukunft der Stromversorgung in Deutschland vor
Im Fokus der zweiten Studie steht die Photovoltaik. Im Auftrag der HypoVereinsbank hat FINANCE-Research hierzu eine Expertenbefragung zu Finanzierungsusancen und Marktperspektiven der Photovoltaik-Branche durchgeführt.
Lutz Diederichs, Vorstand für Corporate & Investment Banking der Hypo-Vereinsbank: "Die wichtigsten Ergebnisse dieser Studien sind, dass es zum einen trotz Finanzkrise im Bereich der Erneuerbaren Energien keine Kreditklemme gab und gibt - auch wenn Banken in der aktuellen Situation bei Projektfinanzierungen gestiegene Anforderungen bezüglich der Kapitaldienstfähigkeit und der Eigenkapitalquoten haben. Zum anderen zeigen die Studien, dass es notwendig ist, die Förderpolitik in Richtung Forschung und Entwicklung sowie Netzintegration neu auszurichten." Diederichs weiter: "Mit einem Kreditportfolio im mittleren einstelligen Milliardenbetrag gehört die HypoVereinsbank zu den wichtigsten Finanzierern Erneuerbarer Energien in Deutschland. Daher haben wir auch ein handfestes Eigeninteresse, dass sich dieser Wirtschaftszweig erfolgreich weiterentwickelt. Denn es handelt sich auch weiterhin um eine Wachstumsbranche, mit enormen Exportchancen für die deutsche Wirtschaft. Das zeigen die beiden neuen Studien eindrucksvoll." Die wichtigsten Studienergebnisse in Thesenform: (1) Die Erneuerbaren Energien sind zu einem selbstverständlichen Teil der deutschen Stromerzeugung geworden Trotz aller Erfolge beim Ausbau der Erneuerbaren Energien in den letzten Jahren dominieren noch die fossilen Energieträger - rund 60 Prozent des Stroms werden durch sie erzeugt. Trotz dieser Konstanten ist die Entwicklung bei den Erneuerbaren Energien aber sehr dynamisch: Sie haben mittlerweile einen Anteil von fast 16 Prozent an der Bruttostromerzeugung erreicht - eine Verdoppelung seit 2005.
(2) Der Erneuerbare Energien-Sektor baut auch in den kommenden Jahren weiter Beschäftigung auf und zieht erhebliche Investitionsvolumina an Die Bedeutung der Erneuerbaren Energien für Investitionen und Beschäftigung wird in den nächsten zehn Jahren nochmals deutlich steigen. So wird sich die Beschäftigung etwa in allen alternativen Energiebranchen in diesem Zeitraum deutlich erhöhen. Damit einher geht ein starker Anstieg des Investitionsvolumens - bis 2020 werden über 80 Milliarden Euro in diesen Bereichen investiert. Das zeigt die hohe Dynamik und die ungebrochene Wachstumsstärke der Erneuerbaren Energien.
(3) Die Photovoltaik erlebt derzeit in Deutschland einen Boom und wird auch in den kommenden Jahren mit hoher Dynamik wachsen Bundesweit erhöhte sich die Stromerzeugung durch Photovoltaik zwischen 2003 und 2009 von rund 300 GWh auf 6.200 GWh. Ausgelöst hat diesen Boom die durch das EEG garantierte Einspeisevergütung für Solarstrom. Diese Förderung hat auch dazu geführt, dass die Photovoltaik-Branche in Deutschland stark gewachsen ist. Diese Dynamik wird sich auch 2010 fortsetzen - Experten rechnen mit einem Zuwachs von bis zu 60 Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2009. Damit bleibt Deutschland der weltweit größte Photovoltaik-Markt. Rund die Hälfte des vorausgesagten globalen Zubaus wird 2010 in Deutschland stattfinden.
(4) Der durch Überkapazitäten und Lernkurveneffekte verursachte Preisrutsch bei Solarzellen setzt sich in den kommenden Jahren fort Gegenwärtig wachsen die Produktionskapazitäten für Solarzellen deutlich. Vor allem China baut diese Industrie massiv aus. Die Nachfrage durch den Neubau von Photovoltaik-Anlagen hält mit dieser Dynamik nicht Schritt. Entsprechend unter Druck sind die Preise für Solarmodule: Je nach verwendeter Technik und Anbieter sind sie zwischen Anfang 2009 und April 2010 um 25 bis 43 Prozent gefallen. Im Jahresverlauf 2010 wird mit weiteren Preissenkungen gerechnet. Das sich abzeichnende deutliche Überangebot an Solarmodulen wird nochmals zu Preisabschlägen von zehn bis 20 Prozent führen. Die aktuellen Senkungen des EEG-Satzes werden den Boom jedoch nicht ernsthaft gefährden.
(5) Der Boom der Photovoltaik wurde auch in der Finanzkrise durchfinanziert. Allerdings fordern die Banken bei Projektfinanzierungen höhere Eigenkapitalquoten und eine bessere Kapitaldienstfähigkeit aus dem Cash-flow Die Auswirkungen der Finanzkrise sind natürlich auch bei Finanzierungen im Bereich der Erneuerbaren Energien spürbar: Langfristige Kredite werden vorsichtiger vergeben, die Anzahl möglicher Finanzierungspartner ist geringer geworden, Finanzierungen von großvolumigen Projekten sind derzeit schwieriger und Konsortien umständlicher zu arrangieren. Dennoch gilt: Der deutsche Photovoltaik-Markt ist auch in den Krisenjahren 2008 und 2009 sehr stark gewachsen. Es gab - und gibt - also keinen generellen Finanzierungsengpass. Allerdings werden bestehende Projektrisiken derzeit stärker bei der Finanzierung gewichtet - mit entsprechend höheren Eigenkapitalanforderungen und sinkenden Projektrenditen.
(6) Besonders im Bereich der Photovoltaik müssen Forschung und Entwicklung - auch bei der Förderpolitik - stärker in den Mittelpunkt rücken, wenn die deutsche Industrie ihre erreichte Stellung auf dem Weltmarkt verteidigen will Die bisherige Förderpolitik hat zu einem steilen Anstieg der Stromproduktion aus regenerativen Energieträgern geführt. Die Branche wird keine Schwierigkeiten haben, das Ziel der Bundesregierung - bis 2020 sollen 30 Prozent des Stromverbrauchs aus Erneuerbaren Energien stammen - zu erreichen, wenn auch mit hohen Subventionskosten, die letzlich auf den Endkunden abgewälzt werden. Das größte Hindernis für die Etablierung eines auf Erneuerbaren Energien gestützten Energiesystems ist aber nach wie vor die weitgehend fehlende Grundlastfähigkeit - hier braucht es neue Technologien zum Beispiel bei der Stromspeicherung und bei intelligenten Leitungsnetzen. Die gegenwärtige Förderpolitik bietet aber nur geringe Anreize, in die Netzintegration sowie in Forschung und Entwicklung zu investieren. Soll sich dies ändern, muss die Förderpolitik umgestellt werden. Zusätzlich zu der reinen Einspeisung sollten Netzintegration sowie Forschung und Entwicklung belohnt werden.
Ansprechpartner für die Presse: Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut gemeinnützige GmbH (HWWI) Pressesprecherin Elzbieta Linke Telefon: (040) 3 40 57 61 15 presse@hwwi.org FINANCE-Research Autor Andreas Knoch Telefon: (069) 75 91 19 63 andreas.knoch@finance-magazin.de
Quelle: Pressemeldung Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG
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