IHK prämiert akademische Spitzenleistungen

03.12.2009 | Mainz
Thema: "Vademekum zur Errichtung standardisierter Biomassekraftwerke"; Diplomarbeit am Fachbereich Life Sciences and Engineering der Fachhochschule Bingen; betreut durch Prof. Dr.-Ing. Alexander Reinartz, Note 1,3.

Begründung der Jury: Eine Steigerung des derzeit relativ kleinen Anteils der Energieerzeugung aus Biomasse kann einen deutlichen Beitrag zur Reduzierung der konventionellen Energieträger leisten. Die Errichtung und der Betrieb von Biomassekraftwerken stellt für Betreiber, Anlagenhersteller und Planer eine große Herausforderung unter dem energiepolitischen Zieldreieck aus Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltvertraglichkeit dar. Bei Kommunen und Gebietskörperschaften fallen jährlich mehrere zehntausend Tonnen Biomasse an. Dieser Grünverschnitt aus der Landschaftspflege und der Forstwirtschaft wird hauptsachlich gemulcht oder kompostiert. Dabei bleiben die energetischen Potenziale weitgehend ungenutzt. Diana Pietscher hat untersucht, wie sich auf kommunaler Ebene Biomassekraftwerke zur Nutzung dieser Potenziale effizient und langfristig einsetzen lassen. Hierzu entwickelte sie ein neues Geschäftsmodell, das den Zusammenschluss mehrerer Kernkompetenzträger in einer Arbeitsgemeinschaft vorsieht. Diese Arbeitsgemeinschaft entwickelt und errichtet standardisierte Biomassekraftwerke unter besonderer Berücksichtigung der Erfordernisse der Kommunen. Ziel ist es, ein Gesamtkonzept von der Planung über die Finanzierung bis zur Inbetriebnahme anzubieten. Zwischenzeitlich wurde Diana Pietscher von dem Mainzer Unternehmen Käuffer & Co., bei dem sie ihre Diplomarbeit erarbeitet hat, als Ingenieurin eingestellt. Die Jury überzeugte die Möglichkeit der praktikablen direkten Umsetzung der Untersuchungsergebnisse in die Praxis der Wirtschaft.

Diana Pietscher, Jahrgang 1980, siedelte mit ihrer Familie 1994 aus der Ukraine nach Deutschland über. Da es seinerzeit keine Vergleichsmöglichkeit zwischen dem ukrainischen und deutschen Schulsystemen gab, wurde sie an einer Hauptschule angemeldet und erwarb sich den Hochschulzugang über den zweiten Bildungsweg. Nach Ausbildung zur Biologisch-Technischen Assistentin arbeitete sie in einem Labor und bei der Deutschen Lufthansa AG. Sie nahm zunächst das Studium der Biotechnologie an der FH Bingen auf, wechselte dann zur Verfahrenstechnik, das sie 2008 mit der jetzt ausgezeichneten Diplomarbeit abschloss.

2. Preis, dotiert mit 1.500 EUR

Preisträger: Dr. Marc Binger

Thema: "Der Ansatz von Rückstellungen nach HGB und IFRS im Vergleich - Regelungsschärfe, Zweckadäquanz sowie Eignung für die Steuerbilanz", Dissertation am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebliche Steuerlehre im Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz; betreut durch Prof. Dr. Roland Euler, Benotung: "summa cum laude".

Begründung der Jury: Die Bilanzierung von Rückstellungen hat sich aufgrund der Unsicherheit der zugrunde liegenden Verpflichtungen als eines der in Schrifttum und Rechtsprechung meistdiskutierten Themen des deutschen Bilanzrechts erwiesen. Durch die fortschreitende Internationalisierung der Rechnungslegung wurde diese Diskussion um eine Dimension erweitert. In Frage steht, ob die internationalen Ansatzvorschriften für Rückstellungen eine taugliche Alternative zu den handelsrechtlichen Regelungen darstellen. Dr. Binger widmet sich in seiner Dissertation der rechtsvergleichenden Untersuchung des Bilanzansatzes von Rückstellungen nach deutschem Handelsrecht (HGB) und den International Financial Reporting Standards (IFRS). Er zeigt auf, dass die auf den ersten Blick identischen Rückstellungskriterien bei genauer Betrachtung einen deutlich abweichenden Regelegungsgehalt haben. Die Analyse offenbart, dass die IFRS- im Unterschied zu den HGB-Ansatzvorschriften dem Grundsatz der Regelungsschärfe nicht genügen und dass sie letztlich weder mit der von den IFRS verfolgten Zielsetzung, der Vermittlung von entscheidungsnützlichen Informationen, noch mit dem handelsrechtlichen Primärziel, der vorsichtigen Ermittlung eines ausschüttungsfähigen Gewinns, kompatibel sind. Folglich sind die internationalen Passivierungsregeln für Rückstellungen auch für steuerliche Zwecke nicht geeignet. Vor dem Hintergrund der Globalisierung erkannte die Jury die besondere Bedeutung der Dissertation für die betriebliche Praxis sowie für die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit des Ansiedlungsstandortes Deutschland im internationalen Vergleich und damit die Bedeutung für das Gesamtinteresse der gewerblichen Wirtschaft.

Dr. Marc Binger, Jahrgang 1977, nahm 1997 das Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg-Universität auf, das er 2002 als Diplom-Kaufmann abschloss und bis 2009 durch das Promotionsstudium ergänzte. Er absolvierte mehrere Auslandssemester in Polen und China, war wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter und ist seit 2008 Fachlicher Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG AG in Frankfurt am Main. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes.

3. Preis, dotiert mit 1.000 EUR

Preisträgerin: Isabel Matthes

Thema: "Soziales Engagement von Unternehmen: Wirkungsprozesse, Erfolgsdeterminanten und Konsequenzen für den Markenwert", Dissertation am Lehrstuhl für Marketing I im Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz; betreut durch Univ.-Prof. Dr. Frank Huber, Benotung: "summa cum laude".

Begründung der Jury: Während sich bisherige Arbeiten zu sozialen Aktivitäten von Unternehmen auf reine Beschreibungen oder moralische Diskussionen beschränkten, betrachtet Frau Matthes soziales Engagement von Unternehmen aus betriebswirtschaftlicher Perspektive und zeigt den Einsatz sozialer Initiativen als Instrument zur Steigerung des Markenwerts aus Konsumentensicht auf. Sie entwickelt ein Modell zur Erklärung der Wirkung und Funktionsweise unternehmerischer sozialer Aktivität und liefert damit Unternehmen wertvolle Erkenntnisse für den zielgerichteten Einsatz und die angemessene Kommunikation sozialen Engagements. Insgesamt gelingt Frau Matthes mit ihrer Dissertation erstmals eine umfassende und strukturierte Analyse der Effekte unternehmerischer sozialer Aktivitäten auf den Markenwert. Die Verfasserin leistet sowohl in wissenschaftlicher Hinsicht als auch im Hinblick auf die praktische Relevanz einen wesentlichen Erkenntnisbeitrag zum Verständnis von Auswirkungen, Prozessen und Gestaltungsvariablen sozialer Aktivität. Die wertet die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Arbeitsergebnisse eine breite Anwendung in der Unternehmenspraxis finden.

Dr. Isabel Matthes, Jahrgang 1981, hat an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ein Doppelstudium Betriebswirtschaftslehre und Amerikanistik/BWL aufgenommen, nach dessen Abschluss - in Betriebswirtschaftslehre als Jahrgangsbeste - sie die Promotion folgen ließ. Während des Studiums hat sie regelmäßig Praktika in Unternehmen und Banken absolviert oder war als Dozentin - unter anderem an der Warsaw School of Economics tätig. Sie erhielt mehrere Förderstipendien, war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Marketing und arbeitet heute als Produktmanagerin bei der Deutsche Telekom, Products & Innovation in Darmstadt.

Sonderpreis "Beste/-r der Besten", dotiert mit 2.500 EUR

In die Weiterbildungs-Prüfungen bei der IHK für Rheinhessen sind im vorigen Jahr 423 Absolventen gegangen. Davon haben 13 mit der Note "sehr gut" abgeschlossen. Das beste Gesamtergebnis hat Lili Felten erzielt. Die Mainzerin hat den Fortbildungslehrgang Wirtschaftsfachwirtin (IHK) an der Volkshochschule Mainz mit 94 Punkten abgeschlossen. Frau Felten hat bei der Jean Greim GmbH in Wörrstadt den Beruf der Industriekauffrau (IHK) erlernt, hat seither als Sachbearbeiterin und als Selbstständige im Kundenservice gearbeitet, war auch in einem Kinderheim in Namibia ehrenamtlich tätig. Die zweifache Mutter bildet sich derzeit weiter als Marketing Ökonom an der VWA Wiesbaden.

Quelle: Pressemeldung Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen

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