Neues Kalibrierungsverfahren bringt korrekte Abrechnung
In Deutschland werden nach Schätzungen von Experten jährlich Kosten für Fernwärme in Höhe von über fünf Milliarden Euro abgerechnet. Und trotzdem: Derzeit gibt keine Verpflichtung, die Wärmemengenzähler für Wärmeleistungen oberhalb von 10 Megawatt regelmäßig zu kalibrieren, da es bislang kein geeignetes technisches Verfahren gab. "Energieversorger ebenso wie Großkunden laufen Gefahr, durch Messfehler jährlich Beträge im sechsstelligen Bereich zu verlieren. Wir schätzen, dass in Deutschland jedes Jahr mehrere 100 Millionen Euro durch Messfehler falsch abgerechnet werden", so Dr. Peter Guntermann, Experte der TÜV Rheinland Insitu Calibration GmbH. Dies bringe vermeidbare Kosten und zudem ein Imagerisiko für die Energieversorger.
Die Ursachen für die fehlerhaften Zählungen sind vielfältig: Fehler beim Einbau, die Kalibrierung beim Hersteller des Mengenzählers unter anderen Bedingungen, lange Einsatzzeiten von über zwanzig Jahren, Ablagerungen oder Abrieb im Zähler sowie die mangelnde Auslegung und Dimensionierung der Messstelle sind die Grundlage für Messungenauigkeiten. Zur Beseitigung der Probleme hat TÜV Rheinland in Kooperation mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) und den beiden auf Laser-optische Messtechniken spezialisierten Unternehmen ILA GmbH sowie Optolution GmbH ein neues Verfahren zur Kalibrierung entwickelt.
Besonders vorteilhaft ist, dass mit dem neuen Verfahren die Kalibrierung im laufenden Betrieb erfolgen kann. Zudem ist es ist durch die Physikalisch-Technischen Bundesanstalt anerkannt und entspricht allen relevanten Rechtsgrundlagen und Richtlinien, wie z.B. der Messgeräterichtlinie 2004/22/EG, der Eichordnung, der DIN EN 1434 Wärmezähler und den PTB Prüfregeln. Die Anbohrtechnik wurde unter Betriebsbedingungen bereits tausendfach erprobt und gilt, genau so wie die eingesetzte Messtechnik als ausgereift. Das Verfahren eignet sich besonders für schwer zugängliche Messstellen und Messgeräte, die nur mit hohem Aufwand freigeschaltet, entleert und getauscht werden können. Messungen erfolgen an typischen Rohrdurchmesser ab DN 150 bis über DN 1000 bei Betriebsdrücken von bis zu 40 bar und Temperaturen bis zu 150 Grad Celsius.
Bei dem neuen Verfahren wird zunächst ein Stutzen mit Kugelhahn auf die Rohrleitung aufgeschweißt. Dann wird mit der so genannten Hot-Tapping-Technik die Leitung im Betrieb angebohrt und eine Fensterhülse angebracht. Anschließend wird mit einem Laser-Doppler-Velozimeter (LDV) der Volumenstrom gemessen und die Auswertung und Dokumentation kann beginnen. Die Leitung wird nach der Messung mit einem Blindflansch gesichert, so dass die Kalibrierung problemlos wiederholt werden kann. "Durch die LDV-Messtechnik können wir höchste Genauigkeit der Kalibrierungsmessung gewährleisten", so Dr. Guntermann. "Unsere Kunden erhalten ein Zertifikat über die erfolgte Kalibrierung und können so etwaige Ansprüche belegen." Im Idealfall amortisieren sich die Kosten für die Messung für einen Großkunden schon nach ein paar Monaten.
Quelle: Pressemeldung TÜV Rheinland Holding Aktiengesellschaft
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