Nikolaus-Rute für RWE-Chef

05.12.2008 | Hamburg
Protest gegen RWE-Beteiligung an bulgarischem AKW

AktivistInnen von ROBIN WOOD und urgewald haben heute RWE-Chef Jürgen Großmann wegen seiner verantwortungslosen AKW-Politik eine Rute gebracht. Sie protestierten vor seiner Dienstvilla in der Hamburger Elbchaussee mit dem Slogan "Kein AKW im Erdbebengebiet - FingeR WEg von Belene". RWE will sich als Investor an dem umstrittenen bulgarischen Atomkraftwerk Belene beteiligen.

"Herr Großmann will nach dem massiven Kundenverlust von 2007 dieses Jahr 100.000 neue Kunden gewinnen", erklärt Heffa Schücking, Geschäftsführerin von urgewald. "Mit der Aktion wollen wir ihm klar machen, dass der Bau eines AKW im Erdbebengebiet RWE nur weiteren Kundenschwund bescheren wird." Wie schlecht dieses Geschäft fürs Image ist, zeigt, dass bereits etwa 20.000 Menschen schriftlich gegen RWEs Belene-Pläne protestiert haben. Neben der Rute bringt ein als Nikolaus verkleideter Aktivist deshalb einen Karton voller Protestbriefe.

"RWEs mögliches Engagement in Belene ist die konsequente Fortsetzung der aggressiven Pro-Atom-Politik des Konzerns in Deutschland", sagt Jan Becker von ROBIN WOOD.

Umweltorganisationen in Deutschland und Bulgarien engagieren sich seit Jahren gegen den Bau des AKW Belene. Sie verweisen auf die bewegte Geschichte des Vorhabens, das Anfang der achtziger Jahre konzipiert und nach der Demokratisierung Bulgariens zunächst eingestampft worden war. Bereits 1983 warnten selbst sowjetische Wissenschaftler vor dem Bau eines Atomkraftwerks am Standort, der 1977 von einem starken Erdbeben heimgesucht wurde. Dabei kamen nur wenige Kilometer vom geplanten AKW-Standort 120 Menschen um.

Der prominenteste Kritiker der RWE-Pläne ist Dr. Georgui Kastchiev, der ehemalige Chef der bulgarischen Atomaufsicht. Er berichtet, dass er noch im Juni 2008 RWE eindringlich vor einer Investition in Belene gewarnt habe. "Belene stellt ein nicht tolerierbares Sicherheits- und Umweltrisiko dar. Die fehlende Betriebserfahrung mit dem geplanten Reaktortyp, der Mangel an qualifiziertem Personal und effektiven Kontrollen wird zweifellos zu schlecht ausgeführten Bauarbeiten führen", sagte er. "Wenn man das hohe seismische Risiko der Bauregion und den niedrigen Atomsicherheitslevel in Bulgarien zusammenzieht, kann man nur zu einem Schluss kommen: Dieses Projekt darf nicht weitergeführt werden."

Diese Einsicht wollen die Umweltschützer auch der Konzernspitze vermitteln, denn noch ist das Geschäft auf deutscher Seite nicht endgültig entschieden: Der Aufsichtsrat von RWE hat große Bedenken gegen eine Beteiligung am AKW-Projekt Belene.

Quelle: Pressemeldung "ROBIN WOOD - Gewaltfreie Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt e.V.

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