Solar Millennium AG beginnt mit Realisierung des Blauen Turms in Herten; Demonstrationsprojekt erhält 7,1 Millionen Euro Förderung vom Land Nordrhein-Westfalen
Wichtiger Teil der Finanzierung des Blauen Turms ist die jetzt bewilligte Projektförderung in Höhe von rund 7,1 Mio. Euro der Landesregierung Nordrhein-Westfalen an die Projektgesellschaft H2Herten GmbH. Das Gesamtinvestitionsvolumen des Projekts beträgt rund 24,6 Mio. Euro.
Der Blaue Turm in Herten wird Straßenbegleitgrün aus dem Ruhrgebiet als Eingangsstoff nutzen und hieraus ein sauberes, wasserstoffreiches Produktgas herstellen, das sowohl zu Wasserstoff aufbereitet als auch zur Stromerzeugung in einem Blockheizkraftwerk genutzt werden soll. Rund 12.000 Haushalte und somit etwa ein Drittel der Haushalte der Stadt Herten können mit der Anlagenleistung von 13 Megawatt (thermisch) mit nachhaltig produziertem Strom versorgt werden. Der zusätzlich produzierte Wasserstoff soll dem Wasserstoffkompetenzzentrum bereitgestellt werden - ein Vorhaben der Stadt auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Auf Ewald, in das der Blaue Turm konzeptionell eingebunden ist.
Solar Millennium verfolgt mit der Investition in diese Technologie zugleich das Ziel, die Betriebszeit solarthermischer Kraftwerke durch Hybridbetrieb deutlich zu erhöhen und eine Stromproduktion rund um die Uhr zu ermöglichen. Dabei werden sowohl Sonnenenergie als auch sauberes Produktgas, das so genannte Blaue Gas, aus der Verwertung regenerativer Reststoffe genutzt. Auf diese Weise können die Kraftwerke klimafreundlich und zuverlässig dazu beitragen, einen größeren Anteil der Nachfrage in Stromnetzen abzudecken.
Dr. Henner Gladen, Technologievorstand von Solar Millennium: "Der rund 40 Meter hohe Blaue Turm an der Autobahn A2 wird Symbol für den Wandel des Ruhrgebiets durch Nutzung von Zukunftstechnologien hin zu einer nachhaltigen und klimafreundlichen Energiestruktur sein. Da der Blaue Turm anders als bei den bekannten Technologien der Biomassenutzung regenerative Reststoffe verwertet und dabei sehr unterschiedliche Eingangsstoffe nutzen kann, ergeben sich weltweit vielfältige Standortpotenziale. Bei dem Projekt in Herten handelt es sich um eine international bedeutende Referenzanlage."
Christian Beltle, Vorstandsvorsitzender von Solar Millennium, sieht große Chancen in der Kopplung solarthermischer Stromerzeugung mit der Technologie des Blauen Turms: "Ein entscheidender Vorteil solarthermischer Kraftwerke gegenüber anderen erneuerbaren Energien ist die Möglichkeit, durch den Einsatz thermischer Speicher auch dann Strom zu produzieren, wenn die Sonne nicht scheint, jedoch ein hoher Strombedarf vorhanden ist. Durch die Kombination solarthermischer Stromerzeugung mit dem Blauen Gas im Hybridbetrieb können wir diesen Vorteil nun noch stärker ausbauen."
Die Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen Christa Thoben wird heute den Bewilligungsbescheid über die Projektförderung offiziell übergeben. Die Grundsteinlegung des Blauen Turms in Herten findet im Februar 2009 statt. Nach der nun vorliegenden Förderzusage werden die letzten noch erforderlichen Genehmigungen zeitnah eingeholt. Die Realisierungszeit beträgt rund ein Jahr.
Über die Technologie des Blauen Turms:
Die Verwertung regenerativer Reststoffe zur Erzeugung von Energie oder Wasserstoff beruht auf dem Prinzip der gestuften Reformierung. Dabei werden die Eingangsstoffe durch Thermolyse bis auf einen geringen Feststoffanteil in Gas umgewandelt. Das entstehende Gas wird durch Reformierung zu einem sauberen, klimaneutralen Produktgas, dem Blauen Gas, veredelt. Die Reaktionswärme für Thermolyse und Reformierung wird im Wesentlichen durch Verbrennung aus dem Feststoffanteil gewonnen. Das Blaue Gas kann unter anderem zur Wasserstoff- und Stromerzeugung genutzt werden. Der Blaue Turm ist eine Multifeedstock-Technologie. Das heißt, dass sehr unterschiedliche Stoffe eingesetzt werden können, beispielsweise Grünschnitt, Straßenbegleitgrün, Olivenkerne oder Hühnermist.
Über die Technologie solarthermischer Kraftwerke:
Solarthermische Kraftwerke erzeugen aus der in Wärmeenergie umgewandelten Sonnenstrahlung Strom. Bei einem Parabolrinnen-Kraftwerk bündeln rinnenförmige Spiegel die einfallenden Strahlen auf ein Rohr in der Brennlinie des Kollektors. Durch ihre Absorption wird im Rohr eine Wärmeträgerflüssigkeit erhitzt, die im Kraftwerksblock mittels Wärmetauscher Dampf erzeugt. Wie bei konventionellen Kraftwerken wird der Dampf in einer Turbine zur Stromgewinnung genutzt. Bei Integration eines thermischen Speichers kann der Strom planbar bereitgestellt werden. Die Solarkraftwerke können dann auch nach Sonnenuntergang Strom erzeugen.
Quelle: Pressemeldung Solar Millennium AG
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